Presseerklärung HRK Hochschulrektorenkonferenz vom 26.02.2008
Vereinbarkeit von Hochschulstudium und Spitzensport fördern, Rahmenbedingungen verbessern, ZUsammenarbeit vertiefen - Gemeinsame Erklärung der SMK, KMK, HRK sowie des DOSB unterzeichnet
Für eine bessere Vereinbarkeit von Hochschulstudium und Spitzensport haben sich Kultusministerkonferenz, Sportministerkonferenz, Hochschulrektorenkonferenz und Deutscher Olympischer Sportbund ausgesprochen. Studierende und Hochschulabsolventen bilden eine besonders große und erfolgreiche Gruppe im deutschen Spitzensport. Für sie sollen künftig die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden, damit sie Höchstleistungen in der jeweiligen Sportdisziplin erbringen und gleichzeitig die berufliche Ausbildung erfolgreich in einem zeitlich vertretbaren Rahmen abschließen können. Die gemeinsame Erklärung unterstützt deshalb den Aufbau von Infra- und Förderstrukturen im Spitzensport in unmittelbarer Nähe des Studienortes.
Dazu zählen neben der Kopplung von Trainingsort und Studienort und der Flexibilisierungsmöglichkeiten bei Organisation und Ablauf des Studiums auch die Handlungsfreiheit für Hochschulen, einen Teil der zu vergebenden Studienplätze der Zielgruppe der Spitzensportler und Spitzensportlerinnen vorzubehalten. Aufbauend auf bereits bestehenden Kooperationsvereinbarungen streben die beteiligten Gremien damit einen weiteren Schritt der Förderung spitzensportlichen Engagements in Deutschland an.
Die Unterzeichner der Gemeinsamen Erklärung, KMK Präsidentin Annegreth Kramp-Karrenbauer, HRK Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel, SMK Vorsitzender Lorenz Caffier sowie DOSB Präsident Dr. Thomas Bach betonten: "Wir unterstützen die Profilbildung und Kooperation von hervorragenden Hochschulstandorten mit Olympiastützpunkten.Auf Dauer sind junge Sportlerinnen und Sportler nur dann für den Hochleistungssport zu gewinnen, wenn sie sicher sein können, auch beruflich Aufstiegschancen zu haben."
Die Förderung des Spitzensports an der HU
Berlin wurde mit der Etablierung eines Olympiastützpunktes im Jahr 1987 zu einem Zentrum des Hochleistungssport, das in über 15 Schwerpunktsportarten und weiteren 17 geförderten Sportdisziplinen ca. 700 Bundeskaderathleten/innen betreut. Berlin ist aber ebenso mit 3 Universitäten, 7 Fachhochschulen, 4 künstlerischen und einigen privaten Hochschulen ein Zentrum der Wissenschaft. Damit ist Berlin idealer Standort für alle Athleten/innen, die ihre leistungssportliche Karriere mit einer akademischen Ausbildung verbinden und damit ihre berufliche Zukunft sichern möchten. Spitzensportlern/innen die Möglichkeit einer dualen Karriere einzuräumen liegt nicht nur im öffentlichen Interesse, sondern ist auch politisch gewollt.
Die Humboldt-Universität hat sich bereits im Jahr 2002 auf Initiative des Hochschulsports als erste Universität Berlins (TU 2005; FU 2007) diesem gesellschaftlichen Anliegen gestellt und im Rahmen des Projektes des Allgemeinen Deutschen Hochschulverbandes ?Partnerhochschule des Spitzensports? einen Kooperationsvertrag mit dem Olympiastützpunkt Berlin abgeschlossen. Dieser bildet die Grundlage zur individuellen Förderung der an der HU studierenden Athleten/innen und räumt die Möglichkeit einer flexibleren Gestaltung des Studiums ein. Dabei geht es bei gleichen Leistungsanforderungen ? kein Studium light ? um den Ausgleich sportbedingter Nachteile.
Mit der Erklärung der Kultusministerkonferenz, der Sportministerkonferenz, des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Hochschulrektorenkonferenz ?Spitzensport und Hochschulen? bestätigt sich die von der HU seit 5 Jahren praktizierte Förderung, die zwar anfangs zögerlich, aber letztendlich erfolgreich und vor allem zum Nutzen der Athleten/innen sich entwickelt hat. Dazu ein kurzes Resümee:
- Im Jahr 2002 studierten 20 Hochleistungssportler/innen an der HU, im Jahr 2007 waren es bereits 65. Damit ist die HU bundesweit die Hochschule mit der höchsten Anzahl studierender Spitzensportler/innen.
- Innerhalb der Universität konnte eine Infrastruktur aufgebaut werden, die über den Vizepräsidenten für Lehre und Studium vor allem die Abteilung Studierendenservice, das Career Center, die Prüfungsämter und die an den Instituten eingesetzten Mentoren/Ansprechpartnern für die Athleten einschließt. Dieses Netzwerk, besonders das Mentorensystem, ermöglicht auf kurzem, unbürokratischem Weg Probleme zu klären, die sich aus der Abwesenheit der Sportler/innen durch Trainingslager und Wettkämpfen im Zusammenhang mit Prüfungsterminen, Anfertigen von Hausarbeiten, Kursbelegungen oder dem Nacharbeiten von Vorlesungs- und Seminarinhalten ergeben. D.h., die von den Unterzeichnenden der Erklärung geforderte Möglichkeit einer flexibleren Studienablaufgestaltung wird an der HU bereits erfolgreich praktiziert.
- Das Projekt der Förderung von Bundeskadern erhielt mit der Berufung einer ehrenamtlichen Spitzensportbeauftragten durch das Präsidium Anfang 2007 eine weitere Aufwertung und Unterstützung. Das ermöglichte eine individuellere Betreuung der Athleten, eine engere Verknüpfung der Strukturen innerhalb und außerhalb der Universität sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern
- Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bilanz, die dem Projekt an der HU bescheinigt werden kann, ist das enge und vertrauensvolle Miteinander von den Mitarbeitern/innen der HU und den Laufbahnberatern/innen des Olympiastützpunktes Berlin. Die gemeinsame Verantwortung für die sportliche und berufliche Zukunft der Athleten ist dabei Ausgangspunkt aller Überlegungen und Maßnahmen.
Welche Auswirkung die gemeinsame Erklärung von Kultusministerkonferenz, Sportministerkonferenz, Deutschem Olympischem Sportbund und Hochschulrektorenkonferenz auf die weitere Entwicklung des Spitzensportprojektes bundesweit und speziell auch an der Humboldt-Universität haben wird, hängt sicher davon ab, inwieweit Landesregierungen bereit sind, gesetzliche Regelungen z.B. zum Auswahlverfahren zu schaffen bzw. die Universität die Förderung des Spitzensports in ihr Profil aufnimmt und sie sich dadurch zu einer besonderen Aufgabe macht. Die Humboldt-Universität wird sicher diese Erklärung zum Anlass nehmen, das Konzept zur Förderung des Spitzensports weiter zu vervollkommnen, um im Wettbewerb um das Gütesiegel ?Elitehochschule des Spitzensports? konkurrieren zu können.
Dr. Gerlinde Radde
Spitzensportbeauftragte der HU


